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Handwerk sollte gefeiert werden: Eine Ausbildung ist keine zweite Wahl

Ein Moment von Felix’ Lossprechungsfeier auf Schloss Dyck ist mir in den vergangenen Tagen noch einmal besonders durch den Kopf gegangen.

 

Caroline Wenzel, Absolventin und Jahrgangsbeste der Fachrichtung Garten- und Landschaftsbau, erzählte von ihrem eigenen Werdegang. Nach dem Abitur war für sie zunächst klar: Jetzt muss ein Studium folgen. Also begann sie zu studieren, merkte aber schon bald, dass dieser Weg einfach nicht zu ihr passte. Sie wollte nicht nur theoretisch arbeiten, sondern praktisch, draußen und mit den eigenen Händen etwas schaffen.

 

Also brach sie ihr Studium ab und begann eine Ausbildung zur Landschaftsgärtnerin.

Sandra Lohr, stellv. Landrätin Rheinkreis Neuss, reagierte darauf sehr bewegt. Und sie sprach etwas aus, das eigentlich selbstverständlich sein sollte, es aber leider noch immer nicht ist: Hochschulabschlüsse werden groß gefeiert. Bei Ausbildungsabschlüssen und handwerklichen Berufen tun wir dagegen manchmal so, als seien sie etwas ganz Alltägliches.

 

Dabei funktioniert unser Alltag keinen einzigen Tag ohne Menschen, die ihr Handwerk verstehen.

 

Wer baut die Häuser, in denen wir leben? Wer deckt das Dach, wenn es hineinregnet? Wer repariert die Heizung, die Wasserleitung oder die Toilette? Wer pflastert Wege, gestaltet Gärten, pflegt Grünanlagen und sorgt dafür, dass aus Plänen am Ende auch etwas Wirkliches entsteht?

 

All das geschieht nicht von allein. Dahinter stehen Menschen mit Fachwissen, Erfahrung und handwerklichem Können. Menschen, die bauen, gestalten, reparieren, pflegen, pflanzen, installieren und anpacken, wenn andere nicht mehr weiterwissen.

 

Und genau diese Menschen werden dringend gebraucht. In vielen handwerklichen Berufen fehlt schon heute der Nachwuchs. Wenn wir jungen Menschen weiterhin vermitteln, dass nur Abitur und Studium zu einem erfolgreichen Leben führen, dürfen wir uns irgendwann nicht wundern, wenn zwar viele planen und verwalten können, aber immer weniger da sind, die etwas bauen, reparieren, gestalten und erhalten.

 

Natürlich ist ein Studium für viele der richtige Weg. Aber eben nicht für alle. Und Abitur und Studium sind längst keine Garantie dafür, automatisch erfolgreich oder zufrieden zu werden. Genauso wenig ist eine Ausbildung die zweite Wahl.

 

Wir müssen viel stärker zeigen, wie vielseitig, anspruchsvoll und erfüllend insbesondere handwerkliche Berufe sein können. Und wir müssen jungen Menschen wieder das Gefühl geben, dass sie auch mit einer Ausbildung und eben im Handwerk etwas erreichen können – und zwar eine ganze Menge.

 

Vielleicht brauchen wir deshalb noch viel mehr solcher Lossprechungsfeiern. Feiern, bei denen junge Menschen ihre Urkunde nicht einfach irgendwo überreicht bekommen, sondern spüren: Das, was ihr geschafft habt, ist wichtig. Euer Wissen, eure Arbeit und euer Können werden gebraucht – IHR werdet gebraucht!

 

Dass diese Feier in einem so schönen und festlichen Rahmen auf Schloss Dyck stattfand, fand ich deshalb umso passender.

 

Denn ein erfolgreicher Ausbildungsabschluss darf nicht nur nebenbei erwähnt werden.

 

Er darf gefeiert werden.

Mann in Gartenkleidung sitzt erschöpft auf Bank mit Besen in der Hand.