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Unser 3-stelliges Mustergrab auf der Landesgartenschau Neuss 2026

Nachdem die Landesgartenschau Neuss 2026 offiziell eröffnet ist und wir bereits erste Eindrücke vom Gelände und vom Entstehen unserer beiden Gräber gezeigt haben, möchten wir nun mit der ausführlichen Vorstellung unserer Mustergräber beginnen.

Den Anfang macht unser 3-stelliges Mustergrab, bei dem der Grabstein die Grundlage für die gesamte Gestaltung bildet. Die Stele wurde von Steinmetzin Cornelia Pastohr gestaltet und nimmt auf besondere Weise Bezug auf Neuss, seine Geschichte und seine markanten Orte.

 

Auf dem Stein sind die Neusser Stadtmauer sowie ehemalige und noch erhaltene Stadttore dargestellt. Zu sehen sind unter anderem das Quirinus-Münster, das Obertor, das Zolltor, das Hessentor und das Globe Theater, das sich direkt im Umfeld der Landesgartenschau befindet. Auch der Düsseldorfer Fernsehturm hat seinen Platz auf der Stele gefunden. Er verweist auf die Nähe zu Düsseldorf und auf den Blick, den man vom Neusser Markt über das Quirinus-Münster hinweg bis in die Nachbarstadt hat.

 

Umlaufend über den Stein ist außerdem der Refrain des Neusser Heimatliedes zu lesen. Dadurch wird die Stele zu einer sehr persönlichen Hommage an Neuss – und zugleich zu einem starken Ausgangspunkt für die gesamte Grabgestaltung.

 

Steinmetzin Cornelia Pastohr ist für uns keine Unbekannte. Bereits vor drei Jahren auf der Landesgartenschau in Höxter wurde uns ein besonderer Grabstein aus ihrer Hand zugelost. Damals griff der Stein das Kloster Corvey auf und bildete die Grundlage für unser Urnengrab. Umso schöner ist es, dass wir nun auch in Neuss wieder mit einem ihrer Steine arbeiten dürfen.

 

Mein Ziel war es, auch bei diesem Grab wieder eine nachhaltige, biodiverse und zukunftsorientierte Grabgestaltung zu verwirklichen. Gearbeitet haben wir dafür mit heimischen Pflanzen aus den Programmen „Wilde Talente“ und „Insektenfreude“ des Gartenbaubetriebes Born aus Straelen. 

 

Mir war wichtig, dass die Gestaltung nicht nur dekorativ wirkt, sondern auch einen ökologischen Gedanken trägt: ein Grab als Ort der Erinnerung, aber zugleich auch als kleiner Lebensraum für Insekten, Pflanzen und Natur.

 

Weil die Stadtmauer auf dem Stein so eine wichtige Rolle spielt, haben wir dieses Motiv in der Grabgestaltung aufgegriffen und mit Steinen aus dem gleichen Material, Jura-Marmor, als kleine Trockenmauer fortgeführt. Bepflanzt wurde sie mit Sempervivum-Hybriden, die sich gut in die Fugen und Zwischenräume einfügen und den Eindruck verstärken, dass sich die Natur ihren Weg sucht.

 

Genau dieser Gedanke setzt sich hinter der Mauer fort. Dort darf sich die Natur ihr Gebiet zurückholen. Die Bepflanzung ist bewusst wilder und naturnäher angelegt. Verwendet wurden dort heimische Pflanzen aus dem Programm „Insektenfreude“, darunter Achillea millefolium / Gewöhnliche Wiesenschafgarbe, Centaurea jacea / Wiesen-Flockenblume, Cichorium intybus / Wegwarte, Clinopodium vulgare / Gemeiner Wirbeldost, Galium verum / Echtes Labkraut, Hypericum perforatum / Echtes Johanniskraut, Knautia arvensis / Acker-Witwenblume, Leucanthemum vulgare / Wiesen-Margerite, Lychnis flos-cuculi / Kuckucks-Nelke, Lythrum salicaria / Blutweiderich, Origanum vulgare / Oregano, Silene latifolia alba / Lichtnelke, Silene vulgaris / Gemeines Leimkraut, Trifolium rubens / Purpur-Klee und Verbascum densiflorum / Großblütige Königskerze.

 

Ergänzt wird dieser Bereich durch die Solitärgehölze Hedera helix ‘Arborescens’, also Strauch-Efeu, und Sambucus nigra ‘Black Lace’, den Schwarzen Holunder. Auch einige Baumstämme gehören zur Gestaltung und verstärken den natürlichen Charakter dieses Bereichs. 

 

Die Idee dahinter: Während vorne die Stadtmauer mit ihren Toren, ihrer Geschichte und ihrer Ordnung steht, holt sich dahinter die Natur ihren Raum zurück.

 

Vor der Mauer wird die Gestaltung geordneter. Hier greifen wir den Gedanken auf, dass vor den Toren beziehungsweise vor der Stadtmauer von Neuss die Landesgartenschau stattfindet. In diesem Bereich wurden Bodendecker aus dem Programm „Wilde Talente“ eingesetzt, darunter Dianthus deltoides / Heide-Nelke, Phyteuma scheuchzeri / Scheuchzers Teufelskralle, Prunella vulgaris / Gewöhnliche Braunelle, Dianthus carthusianorum / Kartäuser-Nelke, Thymus pulegioides / Gewöhnlicher Thymian und Sedum acre / Scharfer Mauerpfeffer.

 

Das Beet selbst nimmt die Form einer wehenden Fahne auf und ist in den Stadtfarben von Neuss gestaltet: Rot und Weiß. Für die aktuelle Frühjahrsbepflanzung wurden Viola x wittrockiana, also Stiefmütterchen, verwendet.

 

So verbindet dieses Mustergrab mehrere Ebenen miteinander: den Bezug zur Stadt Neuss, die Symbolik der Mauer, den Gedanken einer Natur, die sich ihren Raum zurückholt, und eine Pflanzung, die bewusst heimische und insektenfreundliche Pflanzen einbezieht. Stein, Bepflanzung und gestalterische Idee greifen ineinander und erzählen gemeinsam eine Geschichte.

 

Ein herzliches Dankeschön gilt Steinmetzin Cornelia Pastohr für diesen besonderen Stein, der uns eine starke Grundlage für die Gestaltung gegeben hat.

 

Und weil so eine Landesgartenschau nicht nur aus Arbeit, Pflanzen und Gestaltung besteht, sondern auch aus vielen Begegnungen und kleinen Momenten zwischendurch, darf ein Hinweis am Rande nicht fehlen: Am Freitag und Montag waren wir im Restaurant Schwan am Markt in Neuss sehr lecker essen. Besonders bedanken möchten wir uns bei Kenja für die überaus nette und zuvorkommende Bedienung. Bei der nächsten Wechselbepflanzung kommen wir gerne wieder.

 

Die Landesgartenschau Neuss 2026 läuft noch bis zum 11. Oktober 2026. Wer sich unser 3-stelliges Mustergrab vor Ort anschauen möchte, findet auf dem Gelände nicht nur unsere Gestaltung, sondern viele weitere Ideen rund um Garten, Pflanzen, Natur und Friedhofskultur. Und wer uns persönlich treffen möchte: Am 9. + 10. Mai sowie am 6. + 7. Juni haben wir Standdienst. Kommt gern vorbei!


Herzlichen Dank auch an unseren Freund und Fotografen Wolfram Schubert!